Eine offene Welt wie in GTA, ein kletternder Protagonist wie in Assassins Creed und ein realistisches, von Nazis besetzten Paris sind die Zutaten für dieses kleine Schmuckstück, welches den schlichten Namen The Saboteur trägt.
Der irische Rennfahrer Sean wird 1940 in Saarbrücken vom Nazioffizier Dierker um seinen Sieg betrogen. Um Dierker wiederum eins Auszuwischen zerstört Sean gemeinsam mit seinem besten Freund und Quasibruder Jules das Siegerfahrzeug. Doch der vermeintlich kleine Streich rächt sich gewaltig. Beide Männer werden gefangen genommen, verhört und gefoltert. Als Jules vor Seans Augen exekutiert wird sieht Sean rot. Er entkommt irgendwie und schwört Rache an Dierker. Ihn verschlägt es nach Paris, wo er schnell mit der Resistance in Kontakt kommt und als Auftragssaboteur angeheuert wird.
Rachefeldzug zwischen Sex und Sabotage
Die besetzte Hauptstadt Frankreichs ist nun Seans Spielplatz. Ausgehend vom jeweils nächsten Stützpunkt des Widerstands, welches sich anfangs noch im Hinterzimmer eines Bordells gegenüber des Moulin Rouge befindet, schnappt man sich das nächste Auto und fährt zu den einzelnen Missionen. Dazu stehen diverse zeitgenössische Karossen zur Verfügung. Sobald man am Steuer sitzt hört man Chansons oder jazzige Melodien, die zwar nicht unbedingt aus den 40er Jahren stammen, aber dennoch wunderbar zu Stimmung passen. So hört man unter anderem Ella Fitzgerald oder das grandiose „Feeling Good“ von Nina Simone, welches jüngst erst durch Michael Bublé wieder bekannt wurde. Die Missionen sind vielfältig und können oft auf verschiedene Art und Weise gelöst werden. Man darf als Scharfschütze agieren und einen Verräter niederstrecken, während er von einem Priester identifiziert wird, man muss ein gigantisches Geschütz im Herzen einer befestigten Anlage zerstören oder einfach nur ein Autorennen gewinnen. Während bei den Rennen natürlich nur der Bleifuss zählt, können fast alle übrigen Missionen mit viel Taktik oder mächtig viel Badabumm angegangen werden. Manchmal bietet es sich an einen Nazi zu meucheln, seine Uniform anzulegen und vorsichtig von Stealthkill zu Stealthkill zu schleichen, um einen frühen Basisalarm zu vermeiden. Man will nicht in einer befestigten Anlage der deutschen Besatzer stecken, wenn man selbst in Zivil und Flagranti erwischt wird. Es kann auch Sinn machen Späh-, Geschütz- und Scharfschützentürme im näheren Umkreis zu zerstören, bevor man die eigentlich Aufgabe in Angriff nimmt. Es macht sich selten gut irgendwo über ein Dachfenster einzusteigen, wenn man von der anderen Straßenseite auf’s Korn genommen wird. Aber wem das alles zu viel ist packt seine stärksten Wummen ein und schießt sich den Weg frei, auch wenn das nicht immer die einfachste Lösung ist. Zwischen den Hauptquests gibt es jede Menge guter Cutscenes mit knackigen Mädels, schnellen Autos, fiesen Nazis und „Er war wie ein Bruder für mich“ Dialogen.
Knackige Mädels in The Saboteur
Uns bleibt immer noch Paris
Klappert man nur die Hauptmissionen ab wäre man wahrscheinlich schnell mit „The Saboteur“ fertig, aber wenn man schon mal in Paris ist, will man doch auch etwas unternehmen, oder? Immer mit einem Sprengstoffvorrat ausgerüstet läuft oder fährt man also durch die Straßen von Paris, klettert auf die Kirche von Mont Martre, rettet Bürger vor der Exekution auf offener Straße und jagt so ziemlich jede Nazi-Installation in die Luft, der man über den Weg läuft. Dazu ist man oft als Fassadenkletterer unterwegs, da die meisten Installationen auf Dächern und in Hinterhöfen zu finden sind. Leider spielen sich die Kletterabschnitte nicht so flüssig wie in einem Assassins Creed, aber Sean ist auch kein ausgebildeter Meuchler, sondern nur ein irischer Rennfahrer mit Rachedurst. Neben diesen Freeplayoptionen – man kann soviele Sachen zerstören, wie man will bzw. ein Stadtteil hergibt – gibt es auch einige Nebenaufgaben, die der Handlung etwas Tiefe verleihen und hin und wieder auch nicht mit Humor geizen. Gibt man sich dem Freeplay und den Sidequests hin ist man gut und gerne 50 und mehr Stunden beschäftigt, vor allem wenn man den Ehrgeiz entwickelt einzelne Stadtteile vollständig von Nazistellungen zu säubern.
Immer wieder gerne
Mir hat „The Saboteur“ ne Menge Spaß gemacht, was nicht zuletzt an der grandiosen (englischen) Sprachausgabe liegt. Sean wird von Robin Atkin Downes gesprochen, der den irischen Dialekt und jeden wunderbaren blumigen Fluch nahezu perfekt rüberbringt. Die Grafik ist absolut in Ordnung und gerade die begehbaren/erklimmbaren Sehenswürdigkeiten wie der Triumpfbogen oder der Eifelturm machen viel vom ganz eigenen Charme des Spiels aus. Ich werde ganz sicher nochmal nach Paris gehen und schauen, ob ich nicht noch ein paar Panzer klauen und ein paar Generäle snipern kann.
Zum Schluss gibt es noch meine kleine Statistik, die ich ab sofort nur noch pro Spiel anlege, da mir die bisherige Tabelle zu unübersichtlich wurde:
System | Preis | GamerScore | Spielzeit |
XBox 360 | 12,87 € | 800 | 42 Stunden |
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