Als ich neulich mal wieder durch meine kleine Spielesammlung gekrochen bin, blieb mein Finger an dem Sega Mega-CD Titel Dune hängen. Es gibt ja kaum ein Spiel, das mich so nachhaltig beeindruckt und gleichzeitig nicht unerheblich beeinflusst hat. Zugegeben, das Spiel war schon im Erscheinungsjahr nicht auf dem neusten Stand, aber es war für mich das erste Spiel mit vollständiger Sprachausgabe, mit (stark komprimierten) Videosequenzen und Charakteren, die weitestgehend Lippensynchron den Mund zur Sprache bewegt haben und außerdem einen Anflug von Mimik hatten. WOW! Wenn man sowas als junger Spielefreak, der bis dahin nur am C64 saß und gelegentlich mit geliehenen SNES und Megadrive gedaddelt hat, vom 8 Jahre älteren Onkel vorgesetzt bekommt, ist man einfach geflasht. Aus einem „kurz mal zeigen“ wurde eine 10-Stunden-Session auf Arakis, die mit dem Tod des Helden endete – und damit fing eine Leidenschaft an.
Kennen Sie Frank Herbert und David Lynch?
Mein Onkel wollte mir natürlich nicht seine Konsole samt Spiel ausleihen, was mich zum Sparen zwang. Bald konnte ich dann mir dann meinen geliebten Megadrive samt Mega-CD und Dune leisten und ich konnte mit eigenem Equipment loslegen. Als erstes musste natürlich mein Kumpel, ein SNES-Besitzer, bei mir antanzen und meine neueste Errungenschaft begutachten. Als dann das erste mal das im Spiel integrierte Intro des Kinofilms über den Fernseher flimmerte, sagte er nur:“Du bist schon ’n Arsch!“
Das Spiel basiert im Wesentlichen auf David Lynchs filmische Interpretation des Meisterwerks von Frank Herbert. Während des Spielens war mir das herzlich egal, aber als dann meine Sucht nach Dünen, Fremen und Spice geweckt war, musst diese irgendwie gestillt werden. Ich hab buchstäblich alles aufgesogen, was ich in die Finger bekommen konnte. Ich versank förmlich in dieser Welt, verschlang die Romanfortsetzungen wie nichts und achte den Film von David Lynch wie kaum einen anderen Science Fiction Film, der auf einem Roman basiert.
Let’s play Dune (Teil 24) – netter Akzent 😀
Und? Das Spiel ist trotzdem Scheisse
Bei diesem Satz hab ich das Bild eines Frankfurter Ex-Kollegen, der jetzt in Berlin lebt und nie zu unseren Zockerabenden auftaucht (ja, genau der!) vor Augen, auch wenn wir uns sicher niemals über Dune unterhalten haben. OK, sinnfreier Satz, aber ich wollte es mal loswerden 😉 Damit will ich eigentlich nur sagen, dass ich niemanden kenne, der damals oder heute das reine Gameplay von Dune mochte. Rein objektiv betrachtet kann ich es auch keinem verübeln. Ist das Spiel anfangs noch fast ein Rollenspiel, entwickelt es sich nach und nach in Richtung Strategiespiel ohne echtes Schlachtfeld. Man sucht die verschiedenen Stämme der Fremen, rekrutiert und bewaffnet sie und schickt sie je nach Bewaffnung und Erfahrung gegen feindliche Basen. Dann gilt es abzuwarten, ob die eigenen Truppen für einen Sieg stark genug sind, um dann vom eingenommen Stützpunkt weiterzumachen. Auf der anderen Seite will des Imperators Gier nach Spice gestillt werden. Um seinen Forderungen nachzukommen müssen andere Fremen zum Spiceabbau verdonnert werden. Ist der Imperator zufrieden gibt es mit ihm auch keinen Stress. Ansonsten fliegt man über die Oberfläche von Arakis, spricht mit seinen Leuten und versucht nach und nach auch den letzten Harkonnen von der Planetenoberfläche zu entfernen.
Dune lebt hauptsächlich von seiner Atmonsphäre. Es war (und ist) einfach faszinierend, wie es das Spiel mit nur wenigen künstlerischen Handgriffen schafft den Spieler auf die Oberfläche von Arakis zu ziehen. Man spricht mit Romancharakteren wie Chani, Stilgar oder Harah, spürt die von den Fremen ausgehende Mystik rund um den Kwisatz Haderach und fühlt förmlich den Sand auf der Haut. Vor allem die Flüge über die Dünen hatten es mir angetan. Unter Begleitung von einem elektronischen Soundteppich, angereichert mit SciFi-Sounds und Beduinenklängen schwebt man dahin und stört sich nicht daran, dass man nicht lenkt oder dass die Flugsequenz sich permanent wiederholt. Man fliegt dank Navigationsgerät einfach dahin, gerne auch mal stundenlang, wenn man auf der Suche nach einem neuen Sietch ist. Durch den Fortschritt im strategischen Part des Spiels aktiviert man neue Storyelemente, die wiederum besondere Aktionen erfordern oder die eigenen telephatischen Kommunikationsfähigkeiten erweitern. Fast schon nebensächlich waren die von der Tageszeit abhängigen Lichtverhältnisse. Da fiel es nicht schwer immer weiter zu spielen, ohne auch nur eine Pause zu machen.
My First love
Wie eingangs schon erwähnt, bin ich durch dieses Spiel in vielerlei Hinsicht beeinflusst worden.
- Ich habe meine erste stationäre Konsole selbst gekauft
- Ich spiele nach wie vor gerne Strategie und storygetriebene Spiele
- Ich habe kein Problem mit Spielesessions, die 10 Stunden und länger dauern
- Ich achte besonders auf Musik und Atmosphäre in Spielen (und Filmen)
- Ich lese seitdem mehr
- Ich bin süchtig nach jeder Visualisierung, die mit Dune zusammenhängt
Ich bin mir sicher, dass nicht jeder auf ein Spiel zurückblicken kann, dass eine so starke Prägung hinterlassen hat.
Da sich jetzt der Anschlag auf die Twin Towers zum zehnten mal jährt und man medial geradezu erschlagen wird, muss ich heute auch mal einen kleinen Beitrag zu diesem Thema leisten. Inspiriert durch einen Radiobeitrag habe ich mir mal angeschaut, welche Songs nach dem elften September im amerikanischen Radio nicht mehr gespielt werden durften. Ja, in den USA wurde das Radio von 165 Liedern befreit, die nach den Anschlägen als emotional aufwühlend oder schlicht unamerikanisch eingestuft wurden. Diese „inoffizielle“ Liste nennt sich 2001 Clear Channel Memorandum und dafür, dass sie laut der „Clear Channel Corporation“, das weltweit größte Radionetzwerk, nicht existiert, haben sich sehr viele – um nicht zu sagen alle – Radiosender daran gehalten. Bei einigen Liedern kann ich eine gewisse gefühlte Pietätslosigkeit nachvollziehen, aber einige Verbote wirken heute doch eher unfreiwillig komisch und beweisen die nationale Hysterie, die die USA fest im Griff hatte.
Die Pietätslosen
In dieser ersten Kategorie stufe ich die Lieder ein, die inhaltlich rein gar nichts mit Krieg, Terror oder ähnlichem zu tun haben, aber wegen ihres Titels bzw. des Refrains anstößig waren und so auf diese ominöse Liste geraten sind. Gibt es eine andere Erklärung, warum Smooth Criminal nicht mehr gespielt werden durfte? Der „geschmeidige Kriminelle“ kann für sich alleine natürlich als Synonym für einen der Terroristen stehen, der unerkannt an Bord gelangte, aber im Song geht es dann doch nur um einen Einbrecher, der die arme Annie niederschlägt. Weitere Beispiele wären Hit Me With Your Best Shot von Pat Benatar, Jump von Van Halen oder Learn To Fly von den Foo Fighters. Den jeweiligen Zusammenhang kann sich wohl jeder selber zusammenreimen.
Die Unpatriotischen
Erstaunlicherweise hat es hier Songs getroffen, die im Allgemeinen als Hymnen für den Frieden gelten oder einfach als Anti-Kriegs-Songs berühmt geworden sind. Das Bekannteste ist ganz sicher „Blowin‘ In The Wind“ von Bob Dylan. Der meist gecoverte Song der Musikgeschichte wurde in seiner verbreitetsten Interpretation von „Peter, Paul and Mary“ auf die schwarze Liste gesetzt. Erstaunlicherweise gehörte dieser Song aber auch zu den Liedern, die immer wieder bei national ausgestrahlten Gedenkfeiern gespielt wurden – TV wirkt eben anders als Radio. Aber auch Imagine von John Lennon – die Friedenshymne schlechthin – kam auf den Index. Es galt offensichtlich als unpatriotisch von einer Welt ohne Nationen, ohne Religionen und ohne Besitztümer zu träumen. Auch Hey Joe von Jimmy Hendrix, einer der bekanntesten Anti-Vietnam-Songs, wurde vom Radiobann getroffen. Wollte man die Amerikaner lieber in Kampfesstimmung bringen, anstatt sie über Utopien und Kriegskritik zum Denken und Reflektieren zu motivieren?
Die Interpretationsfähigen
Hier wird’s wirklich unfreiwillig lustig. Manche Lieder haben es offensichtlich auf die Liste geschafft, weil zumindest einzelne Verfasser wirklich paranoisch geworden sind. Überlegen wir mal, warum der fröhliche Klassiker Ob-La-Di, Ob-La-Da der Beatles nicht mehr gesendet werden durfte. 3-2-1, die Zeit ist um. Der angebliche Grund war die mögliche Assoziation mit Osama bin Laden. Häh? Jepp, man war der Meinnung, man könne aus den zwei Fantasiewörtern über Silben und Initialen den Namen des Terrorkopfes bilden oder zumindest ahnen. Dazu muss man eigentlich weiter nichts mehr sagen. Walk Like An Egyptian von den Bangles und Rock The Casbah hat es in dieser Kategorie gleich mit erwischt. Lieder, die muslimische Orte oder Nationen besingen oder nur erwähnen, waren raus.
Ich will die Anschläge wirklich nicht runterspielen und mir ist auch klar, dass eine Nation in einer solchen Situation, gerade die USA, zwangsläufig überreagiert, aber dieses 2001 Clear Channel Memorandum zeigt, dass viele Aktionen und Reaktionen durchaus einer Paranoia und auch Machtlosigkeit geschuldet sind. Ich bin mir aber auch sicher, dass die meisten Sender zumindest Titel wie Stairway To Heaven, Highway To Hell und Great Balls Of Fire ohnehin bis auf weiteres nicht gespielt hätten. Schließlich wurde auch in Deutschland nach dem großen Tsunami in Thailand Die perfekte Welle aus dem Programm genommen. Ob das sinnvoll war oder nicht, will ich hier gar nicht beurteilen. Es ist eben keine Wonderful World, was übrigens auch auf dem Index landete.
Freddie Mercury – Wenn man Geburtstag und Todestag verwechselt
Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!
Es ist wohl mit das Peinlichste, was einem ewigen Queenfan passieren kann. Ich sehe heute Morgen das geniale Google Doodle mit Freddie Mercury, lasse Don’t Stop Me Now laufen und denke spontan „Scheisse, ist der Todestag schon 20 Jahre her!“. OK, heute wäre sein 65ster Geburtstag, aber wer schaut bei toten Celebrities schon so genau hin? Da ist es ja auch nicht weiter schlimm, dass ich munter Tweets zum Todesjubiläum, die ich mittlerweile wieder gelöscht habe, verschickt habe. Paaaaeinlich!
Zu meiner Ehrenrettung sei aber gesagt, dass Freddie tatsächlich 1991 gestorben ist, nur eben am 24. November. An diesen Tag kann ich mich noch viel zu gut erinnern. Ich bekam Streit mit einem Klassenkameraden, weil er sich als bekennender Queenhasser über den AIDS-Tod lustig machte und eine ausschließlich Death Metal hörende Klassenkameradin stand mir zur Seite und hat extrem treffend erklärt, dass Freddie eine der bedeutensten Musiker unserer Zeit war und man das auch ohne die Musik besonders zu mögen honorieren kann und tolerieren muss. Ich erinnere mich auch an die beschissene Kunst-Hausarbeit, für die ich zwei Tage später irgendwie doch noch ne Drei bekommen hab und die ich einen Tag zuvor mit ausschließlicher Queen-Berieselung zusammengeschustert habe. Und im Radio lief ständig The Show Must Go On, das erst drei Wochen später als Singleauskopplung erschien. Dass Freddie mit diesem Song sein eigenes Requiem geschrieben hat wurde mir erst an diesem Tag schlagartig bewusst und auch wenn es das beste Lied auf Innuendo ist, habe seit diesem Tag immer einen Kloß im Hals, wenn ich es höre.
In diesem Sinne werde ich heute mal wieder einen Queen-Tag einlegen, das Wembley Konzert von 1986 auf youtube schauen, bedauern, dass ich es nie auf ein Konzert geschafft habe und das Leben eines Freddie Mercury feiern und seinen Tod auch ohne Jahrestag bedauern.


